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Lost Places: Beelitz Heilstätten Fototour / Teil 1

Wer mir auf Instagram folgt, hat es vermutlich schon gesehen: ich war wieder einmal unterwegs.
Diesmal ging es nicht um hübsches Interior, farbenfrohe DIY-Workshops oder neusten Messe-Trends…..nein, es wurde schmutzig….und spannend und ja, auch ein wenig spooky.

Verfallene, verlassene Orte üben von jeher eine große Anziehungskraft auf mich aus. Und dieser hier, die Beelitzer Heilstätten, stand schon so lange auf meiner Wunschliste für eine Fototour.

Heute zeige ich Euch eine kleine Auswahl der enstandenen Bilder und erzähle auch ein wenig über die bewegte Geschichte dieses Ortes…in Teil 2 wird es dann noch mehr Bilder und ein paar Infos rund um die gebuchte Fototour von Go2know geben.

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Die Beelitzer Heilstätten

dieses Tuberkulose-Sanatorium vor den Toren Berlins wurde 1898 eröffnet. Das Gelände umfasst ca 200 Hektar und 60 Gebäude.
Auch wenn die (einstmals) prunkvollen Bauten etwas anderes erwarten lassen: es war tatsächliche eine Heilstätte für die arme Arbeiterklasse. Diese kranken Arbeiter belasteten nämlich die gerade erst eingeführten Krankenkassen (1883) enorm.
Zu der Zeit als die Tuberkulose, eine hochansteckende, bakterielle Lungenkrankheit sich immer weiter ausbreitete und Antibiotika noch nicht entdeckt waren, boten diese Sanatorien vielfach die einzige Möglichkeit, die Arbeitskraft der Versicherten wieder einigermaßen herstzustellen. Dies war oft erst nach monatelangen Aufenthalten erreicht, viele schafften es auch gar nicht, sondern starben im Sanatorium.

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Inmitten der ausgedehnten Wälder Brandenburgs mit seiner rauch- und staubfreien Luft und der unvergleichlichen Ruhe, konnten sich in dem riesigen Areal bis zu 1200 Patienten erholen und wieder neue Kraft schöpfen.

Die Eisenbahnlinie von Berlin war gleichzeitig eine wichtige Trennlinie zwischen den verschiedenen Bereichen des Geländes: nördlich der Bahnlinie befanden sich die „geschlossenen Kliniken“, in denen sich die Patienten mit offener Tuberkulose befanden, die  hochansteckend waren. War man dort Patient, durfte man das Gelände nicht verlassen, es sei denn man starb oder erholte sich soweit, dass man auf die andere Seite der Bahnlinie verlegt werden konnte. Die Ärzte und das Pflegepersonal mussten einer aufwändigen  Desinfektion unterzogen werden, wenn sie nach Dienstschluss das Gelände verlassen wollten.

Südlich der Bahnlinie befanden sich die Gebäude, in denen alle Patienten untergebracht waren, die nicht (mehr) ansteckend waren oder an anderen Krankheiten (vor allem Kreislauf- und Herzkrankheiten oder Erkrankungen des Verdauungstrakts) litten.

Ausserdem gab es eine strikte Trennung von Männern und Frauen, die durch Zäune aufrecht erhalten wurde….natürlich wussten auch die Leute damals schon, wie diese zu umgehen sind….

Die Behandlung der Tuberkolosekranken bestand – aufgrund mangelnder Alternativen – aus einfachen Dingen: frische Luft, Kneippsche Bäderanwendungen, gutes Essen und Ruhe, Ruhe und nochmals Ruhe!
Es durfte nicht gesungen, gepfiffen und zu manchen Tageszeiten nicht einmal gesprochen werden.

Im ersten und zweiten Weltkrieg übernahm das Sanatorium dann allerdings die Aufgaben eines Kriegslazaretts, in dem die verwundeten Soldaten von der Front versorgt wurden. Auch Adolf Hitler wurde dort nach einer Verletzung durch eine Granate im Jahre 1916 für einige Wochen behandelt. 

Nach dem zweiten Weltkrieg übernahmen die Sowjets die Herrschaft über das Gebiet der Beelitzer-Heilstätten und betrieben es bis zu ihrem Abzug im Jahr 1996 als Militärhospital. 1990 suchte  und fand Erich Honecker Schutz vor dem Zugriff der deutschen Justizbehörden auf dem Sanatoriumsgelände, von dem er 1991 dann nach Moskau gebracht wurde. 

Nach dem Abzug der Sowjets 1994 blieb das Gelände und die Gebäude sich selbst überlassen und verfiel. Aufgrund mangelnder Einzäunung, waren die Areale frei zugänglich, so dass viel dem Vandalismus zum Opfer fiel.

Mittlerweile ist das Gebiet komplett umzäunt und kann nur im Rahmen einer Führung oder eben einer Fototour besucht werden. Die Häuser sind teilweise einsturzgefährdet und sehr verfallen.
Aber es regt sich etwas in Beelitz: einige alte Gebäude wurden von neuen Eignern renoviert und erstrahlen in neuem Glanz, auch für viele andere Gebäude ist eine Neunutzung vorgesehen. Natürlich ist dieses Unterfangen sehr kostspielig und aufwändig, da auch die Vorgaben des Denkmalschutzes mit berücksichtigt werden müssen. Aber es gibt Hoffnung für diese schöne Anlage! 

Über die Geschichte dieses Ortes könnte ich noch ewig weiterschreiben, allein die Art der Belüftung, die bis ins Detail geplante Anlage der Garten- und Baumbepflanzung, die Verbindung der einzelnen Gebäude durch unterirdische Tunnel, bizarre Morde und paranormale Aktivitäten…..unglaublich spannend….aber das würde hier jetzt zuviel Raum einnehmen. Wer mehr dazu lesen möchte, wird an vielen Stellen im Netz fündig, z.B. hier und hier oder auch in Buchform hier.

Und? Hat es Euch bis hierhin gefallen und Ihr möchtet noch mehr sehen und erfahren? Kein Problem: im nächsten Post gibt es weitere Bilder und ein Bericht über unsere Fototour–> TEIL 2

Wer nicht bis dahin warten mag und noch weitere Bilder von alten und/oder verlassenen Orten sehen möchte: in meiner Kategorie „Smillas dunkle Seite“ findet Ihr weitere Posts zum Thema.

Diesen Bericht hier verlinke ich jetzt beim #Sonntagsglück von Soulsister meets Friends, schaut dort mal vorbei, es gibt eine Menge zu entdecken!

Aber jetzt wünsch ich Euch erstmal einen wunderbar sonnigen Dienstag!

Eure Smilla

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36 Kommentare

  • Antworten
    tatjana
    6. Juni 2017 at 5:09

    Liebe Smilla,
    mit großer Freude hab ich geduldig auf deinen Post gewartet und ich bin total fasziniert, da wäre ich auch gerne dabei gewesen bei der Fototour und ich dachte schon du bist illegal da eingestiegen, ich finde das superspannend und bin gespannt auf mehr Fotos, sehr interessant alles und tolle Bilder.
    Alles Liebe vom Reserl

    • Antworten
      Smillas Wohngefühl
      6. Juni 2017 at 15:51

      Liebes Reserl,
      ja, es ist ein magischer Ort! Und er ist recht gut bewacht, von daher blieb nur die legale Variante…. 😉
      Ich freu mich, dass Dir die Bilder gefallen!

  • Antworten
    Nordhem
    6. Juni 2017 at 5:46

    What a place! I love exploring places with a history and to be able to walk about without hords of people around. Even if the rooms are empty there is still life. Beautiful ceilings, floors and the light! <3
    And I love when finally somebody are trying to waken such places into a new life

    • Antworten
      Smillas Wohngefühl
      6. Juni 2017 at 15:54

      Thank you sweet pea! It is really such a beautiful place.
      I am sure there are places like this in sweden too!
      Kram!

  • Antworten
    shabbylinas welt
    6. Juni 2017 at 8:40

    Liebe Smilla,
    was für eine spannende Geschichte du uns da mit tollen Bildern unterlegst. Ich bin immer so Hin und Her gerissen zwischen der Faszination dieser "lost places" und dem Gedanken, wie schade es doch ist das solch schöne Bauwerke einfach sich selbst überlassen werden und verfallen.
    Ich bin schon auf die Fortsetzung gespannt.

    ganz liebe Grüße
    Nicole

    • Antworten
      Smillas Wohngefühl
      6. Juni 2017 at 15:56

      Ja das stimmt. Einerseits ist es schade, andererseits wunderschön. Aber jetzt wird dort ja vieles wieder neu aufgebaut.

  • Antworten
    Unser kleiner Mikrokosmos
    6. Juni 2017 at 8:47

    Hallo Smilla,
    ich habe deinen Post regelrecht verschlungen. Wunderschöne Bilder hast du mitgebracht. Es tut mir in der Seele weh, solch schöne Gebäude so zerfallen zu sehen. Obwohl auch dieser Zerfall gerade etwas besonders an sich hat. Wir haben hier eine alte, englische Schule, in der ich als Kind noch zu Besuch war. Diese verfällt seit Jahren. Aber auch hier werden Fototouren angeboten, an der ich gerne diesen Sommer noch teilnehmen möchte. Ich finde das total spannend.
    Liebe Grüße
    Silke

  • Antworten
    LENA von grey crown
    6. Juni 2017 at 9:16

    Liebe Smilla,
    wow, tolle Bilder… Ein sehr interessanter und auch geheimnisvoller Ort!
    Ich bin schon auf die Bilder im zweiten Post und die Foto Tour gespannt…
    Hab eine schöne, kurze Woche.
    Liebe Grüße, LENA

  • Antworten
    frauke
    6. Juni 2017 at 10:19

    Whow Smilla, was für tolle Fotos!
    Ich bin schon ganz gespannt auf die Fortsetzung. Und vielen Dank auch für den geschichtlichen Überblick. Die Beelitzer Heimstätten waren mir schon ein Begriff, aber nun weiß ich endlich Bescheid.
    Liebe Grüße
    Frauke von Lüttes Blog

  • Antworten
    By Meisje
    6. Juni 2017 at 14:39

    WOW, ich könnte mich in deinen Bildern verlieren …. wunderwunderschön!!! Ich bin ein Fan dieser verlassenen Orte, sie haben etwas ganz besonderes, magisches, nicht wahr?! Bin schon gespannt auf die Fortsetzung! Herzlichst, Meisje

  • Antworten
    scrapkat
    6. Juni 2017 at 15:30

    Wow, was für tolle Bilder! Danke, daß Du uns damti ein bißchen mit auf diesen Ausflug nimmst! 🙂
    Gruß scrapkat

  • Antworten
    Maya Wolfender
    6. Juni 2017 at 15:41

    Liebe Smilla
    Cool, das ist eine faszinierende Welt in die du kurz eingetaucht bist! War für kurze Zeit in die Vergangenheit mit dir entführt worden.Toll!!
    Bin sehr gespannt auf deinen nächsten Beitrag::)))
    Solche alten Gemäuer faszinieren mich und es ist spannend was für Geschichten hinter jedem zu finden sind.
    Bis zum nächsten Mal , ich freue mich:))

    Liebe Grüsse aus der Schweiz schickt dir,
    Maya

  • Antworten
    kleine blaue Welt
    6. Juni 2017 at 16:28

    Liebe Smilla,
    ich liebe auch solche Orte.
    Echt schön und gleichzeitig spooky!
    Es wäre wirklich toll,wenn das alte Gemäuer einen neuen Nutzen bekommt und nicht verfällt.
    Das Bild mit dem Klavier beeindruckt mich besonders!
    Ganz liebe Dienstagsgrüße von
    Kristin

    • Antworten
      Smillas Wohngefühl
      8. Juni 2017 at 9:03

      ja ein wenig spooky ist es wirklich, allerdings bei strahlendem Sonnenschein sicher nicht so sehr, wie in dunkler Nacht.

  • Antworten
    Nicole B.
    6. Juni 2017 at 17:23

    Liebe Smilla,
    das ist ja ein wunderbares altes Gebäude mit vielen schönen Details.
    Das Treppengelände oder das runde Fenster, wunderschön.
    Wie toll wird es erstmal wieder aussehen, wenn alles im frischen Glanz erstrahlt.
    Danke für den Rundgang und liebe Grüße
    Nicole

    • Antworten
      Smillas Wohngefühl
      8. Juni 2017 at 9:05

      Danke liebe Nicole, ja die Details sind wunderschön und alle in Handarbeit entstanden. Jeder einzelne Kringel, jede Verzierung z.B. der Treppengeländer wurde per Hand gefertigt!

  • Antworten
    Anonym
    6. Juni 2017 at 18:03

    Wunderschöne Fotos! Ich war am 1. Mai mit meinem Freund auch dort, da wir im Land Brandenburg wohnen ist der Weg auch nicht so weit. Wir waren auf dem Baumwipfelpfad und haben anschließend eine Tour durch die Chirurgie gemacht. Ich war begeistert. Vor allem in den Fußboden (sechseckige Fliesen) habe ich mich verguckt. Das man zwischen den ganzen Dreck der letzten Jahrzehnte läuft, hat mich beeindruckt.
    Nachdem ich meine Bilder dann aber zu Hause abgeguckt hatte, kam die Ernüchterung, da meine Digitalkamera im Inneren nicht so tolle Bilder machen kann.
    Gut finde ich bei diesem Gelände auch, dass man schon gute Einblicke in die Gebäude und das Gelände hat, ohne das man Eintritt bezahlen muss.

    Durch welches Gebäude geht die Fototour?

    Liebe Grüße von einer stillen Blogleserin, die durch deine Beton-DIY's immer mehr tolle Blogs entdeckt 🙂
    Julia

    • Antworten
      Smillas Wohngefühl
      8. Juni 2017 at 9:07

      Hallo Julia,
      ja die Fliesen fand ich auch klasse, die werden im nächsten Teil zu sehen sein.
      Unsere Tour ging durch die Männerklinik, die aus drei Gebäuden besteht.
      Wenn man richtig in die Gebäude rein und alles erkunden möchte, muss man aber tatsächlich eine Tour buchen. Find ich aber ganz in Ordnung.
      Liebe Grüße

  • Antworten
    Kerstins Zuhause
    6. Juni 2017 at 18:17

    Hallo Smilla,
    so super Fotos sind während deiner Tour entstanden.
    Auch die Geschichte ist echt interessant.
    Im Moment beschäftige ich mich auch mehr mit unserer
    Kamera und habe einen Workshop (siehe Blogpost) mitgemacht.
    Ist schon toll was man mit anderen Interessierten
    alles erleben und lernen kann.
    Freue mich auf den 2. Teil!
    Liebe Grüße, Kerstin

  • Antworten
    Anonym
    6. Juni 2017 at 18:48

    WOW!! Da hast du ja einen ganz besonderen Ort entdeckt. Total faszinierende Fotos.Ein Jammer, wenn so ein besonderes Anwesen verfállt!! Aber vielleicht findet sich ja jemand, der diesem Ort wieder Leben einhaucht.
    Liebe Grüße aus dem hohen Norden,
    Lydia

  • Antworten
    Modewerkstatt Heike Tschänsch
    6. Juni 2017 at 20:59

    Das ist ein toller Post, liebe Smilla.
    Auch mich faszinieren solche alte Gebäude und die Geschichten, welche damit verbunden sind.
    Danke für´s Mitnehmen.
    Liebe Grüße von Heike

  • Antworten
    Rebekka // rheinherztelbe
    7. Juni 2017 at 6:00

    Liebe Smilla,

    Was für tolle Bilder 😍 – so ein toller verwunschener Ort! Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Bilderflut!

    Ganz liebe Grüße,
    Rebekka

  • Antworten
    Rebekka // rheinherztelbe
    7. Juni 2017 at 6:01

    Liebe Smilla,

    Was für tolle Bilder 😍 – so ein toller verwunschener Ort! Ich freue mich jetzt schon auf die nächste Bilderflut!

    Ganz liebe Grüße,
    Rebekka

  • Antworten
    seaside-cottage
    7. Juni 2017 at 19:24

    Sehr schöne Fotos, liebe Smilla! Solche Orte faszinieren mich ja auch. Aber sie bereiten mr auch gleichzeitig eine Gänsehaut. Ich finde komischerweise das Wort "Heilstätten" schon so unheimlich. Hört sich irgendwie nach Psychothriller an 😄 Über die paranormalen Aktivitäten würde ich ja schon gerne was wissen. Bin gespannt auf Teil 2 😃
    Liebe Grüße, Beate

  • Antworten
    seaside-cottage
    7. Juni 2017 at 19:26

    Ach, und das Foto vom Klavier finde ich RICHTIG schön!
    Lg. Beate

    • Antworten
      Smillas Wohngefühl
      8. Juni 2017 at 9:09

      Psychothriller, da sagst Du was! die Heilstätten wurden schon häufig als Filmkulisse genutzt, unter anderem für einen Horrorfilm 😉

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